In 3 Schritten Free Bleeding lernen: was ist Freie Menstruation genau und wie funktioniert sie?

Für alle, die beides wollen: Free Bleeding mit der Menstruations-Panty

Free Bleeding oder freie Menstruation bedeutet, dass Du ohne Tampon, Schwämmchen oder Tasse blutest, dass du also kein Produkt verwendest, dass das Blut im Körper hält, sondern es – ja, genau, laufen lässt. Mit etwas Übung spürst Du, wann genau Du die Toilette aufsuchen solltest, um das Blut dort herausfließen zu lassen. Ja, das funktioniert – meistens. Manchmal bist Du vielleicht zu tief in Gedanken versunken oder zu beschäftigt und verpasst den Moment, unterwegs ist vielleicht mal längere Zeit keine Toilette in Sicht, und nachts unter Umständen mehrmals aufstehen zu müssen hört sich eher suboptimal an.
Eine Menstruations-Panty kann die optimale Absicherung für alle sein, die beides wollen: Sie unterscheidet sich optisch und haptisch kaum von einem normalen Slip, fängt das Blut aber auf wie eine Binde und ist anschließend wasch- und wiederverwendbar. So kannst Du frei bluten, Deinen Körper bewusst und achtsam spüren.

Was bei der Menstruation passiert

Während der Menstruation wird die Gebärmutterschleimhaut abgestoßen, die sich in den Wochen davor darauf vorbereitet hat, eventuell ein gemütliches Nest für ein befruchtetes Ei zu werden. Zusammen mit dem für einen besseren Fluss sorgenden Blut wird das Gewebe durch den Muttermund, die kleine Öffnung am Übergang vom Gebärmutterhals zur Vagina, abgestoßen. Das Menstruationssekret sammelt sich also erst einmal am Muttermund, der in dieser Zyklusphase sehr fest und zusammengezogen ist. Durch den Druck der wachsenden Blutmenge und die Kontraktionen der Gebärmutter, die die Schleimhaut abstößt, entstehen übrigens die krampfartigen Schmerzen, die viele Menstruierende kennen. Das angesammelte Sekret drückt den Muttermund irgendwann auf und fließt in einem Schwall heraus. Die meisten Menschen bluten also nicht permanent, sondern in Schüben, die natürlich von Menstruation zu Menstruation und Mensch zu Mensch unterschiedlich sind. Üblicherweise dauert die Menstruation etwa drei bis sechs Tage, und der Körper verliert in dieser Zeit in etwa 80-100 Milliliter Blut.

 

Wie geht Free Bleeding genau?

1. Den richtigen Moment abpassen
Wenn Du Deinem Körper während der Menstruation ein wenig Aufmerksamkeit widmest, kannst Du den Moment, wenn die Gebärmutter voll ist, mit ein wenig Übung wahrscheinlich recht genau spüren: Manche vergleichen das Gefühl mit dem einer vollen Blase, andere spüren Nässe und Weichheit, ein Ziehen oder haben den Eindruck, die Vagina hätte etwas an Kontur verloren. Und vielleicht spürst auch Du manchmal ganz viel Blut die Vagina herunterrinnen – wobei da meist noch gar nichts rinnt; aber der Muttermund ist kurz davor, sich zu öffnen. Manche Menschen können den Muttermund auch willentlich verschließen. Das ist natürlich sehr praktisch, wenn gerade keine Toilette in der Nähe ist, aber für das freie Menstruieren ist diese Fähigkeit nicht zwingend notwendig.

Wichtiger ist, dass Du auf Deinen Körper hörst und Dich entspannst: Zur Absicherung für den Notfall oder an sehr aktiven Tagen, wenn Du viel unterwegs bist, kannst Du gut und einfach eine waschbare Menstruations-Panty oder Binde tragen. Wie oft Du zur Toilette musst, ist sehr individuell und hängt vom Zyklustag und der Stärke Deiner Blutung ab. Grob liegen zwischen den Schüben zehn Minuten bis vier Stunden. Am ersten und zweiten Zyklustag, wenn die Blutung noch stark ist, solltest Du alle halbe Stunde zur Toilette gehen, aber du wirst schnell merken, wie oft es überhaupt nötig ist. Ab dem dritten Tag ist die Blutung bei vielen Menstruierenden schwächer, sodass ein Toilettengang alle ein bis drei Stunden völlig ausreicht.

 

2. Blut ablassen, wie geht das?
Auf der Toilette solltest Du Dich und Deinen Beckenboden entspannen. Manchen hilft es, das Becken vor- oder zurückzukippen, ein bisschen zu wippen oder den Unterbauch zu massieren. Du kannst Dich auch nach vorne beugen und leicht pressen, um den Muttermund etwas weiter zu öffnen – das fühlt sich ein bisschen an wie das Nachdrücken beim Urinieren, nur an anderer Stelle und mit weniger Druck. Da es nicht die Blase, sondern eben den Muttermund betrifft, ist etwas Nachdrücken auch nicht schädlich. Wenn kein oder nur noch ganz wenig Blut kommt, kannst Du den Toilettengang beenden. Einmal Blutablassen dauert ganz individuell zwischen einer und zehn Minuten. Da Du vielleicht ein bisschen nachblutest, kannst Du zur Sicherheit eine waschbare Binde – oder eben ganz bequem eine Menstruations-Panty tragen, beides ist waschbar, wiederverwendbar und nachhaltig.   

 

3. Entspannen und Kraft sammeln
Nach Deinem Free Bleeding Erlebnis solltest Du Dir Zeit für Dich nehmen. Leg Dich mit einer Wärmflasche ins Bett, kuschel mit deinem_r Liebsten oder mach was immer Dir gut tut. Vielleicht hat Dein Laufenlassen schon beim ersten Mal richtig gut funktioniert – vielleicht brauchst Du aber auch noch etwas mehr Übung oder es war für Dich eine einmalige Erfahrung. Ganz egal – hauptsache Du und Dein Körper fühlen sich gut damit.

 

Warum überhaupt Free Bleeding?

Es gibt viele Gründe, auf Periodenprodukte zu verzichten. Gerade in den ersten Tagen der Blutung ist der Körper sehr empfindlich, der Unterleib kann schmerzen – da kostet es manchmal schon einige Überwindung, einen Fremdkörper wie ein Tampon oder eine Menstruationstasse in die Vagina einzuführen. Neben problematischen Stoffen, von denen bei Tampons immer wieder die Rede ist, können Produkte zum Einführen auch Bakterien und Entzündungen auslösen. Es gibt außerdem nicht wenige menstruierende Menschen, die berichten, dass ihre mitunter sehr starken Menstruationsschmerzen nach einigen wenigen Zyklen verschwunden sind. Free Bleeding ist darüber hinaus ein Weg zu mehr Achtsamkeit und einer intuitiveren Verbindung mit dem eigenen Körper.

 

Für manche ist Free Bleeding nicht nur eine persönliche Entscheidung, sondern auch eine politische Haltung:

ein Protest gegen die Steuer, die auch in Deutschland (19 Prozent, in manchen Ländern sogar eine Luxussteuer) auf Periodenprodukte erhoben wird, obwohl die Hälfte der Bevölkerung auf sie angewiesen ist;

ein Beitrag zur Reduzierung des Mülls, der bei Verwendung herkömmlicher Tampons und Binden anfällt;

eine Form der Rebellion gegen die jahrhundertelange Tabuisierung der Periode und die Stigmatisierung des menstruierenden Menschen als eklig und unrein;

ein Zeichen der Solidarität mit all jenen Menschen, die noch immer keinen Zugang zu Hygieneprodukten, Sanitäranlagen und fließendem Wasser haben und deshalb während der Menstruation zum Beispiel nicht zur Schule gehen können.

Die Vorteile von Free Bleeding auf einen Blick:
  • Wie bereits erwähnt, erleben viele Menstruierende, dass deren Menstruationsschmerzen nachlassen oder ganz verschwinden. Das kann damit zusammenhängen, dass sich der Muttermund leichter öffnen kann, um das Menstruationssekret auszuscheiden, wenn kein Tampon bzw. keine Periodentasse die Vagina verschließt.
  • Kein unangenehmer Geruch – tatsächlich entsteht dieser meist gerade durch die Duftstoffe auf Binden und Tampons, die ihn verhindern sollen.
  • Vermeidung von durch den Gebrauch von Tampons und Slipeinlagen entstehenden Irritationen: Störung der Vaginalflora, vaginale Trockenheit, Jucken, Infektionen und Pilzerkrankungen. Auch das Risiko eines toxischen Schocksyndroms (TSS), das mit Hygieneprodukten zum Einführen in Verbindung gebracht wird, verringert sich.
  • Keine Irritationen im Intimbereich = happy Vagina und happy Vulva = mehr Spaß an Sex.  
  • Free Bleeding ist wohl die nachhaltigste Art, zu menstruieren – Du brauchst weniger bis keine Hygieneprodukte, sparst also Geld und vermeidest Müll.

 

Die Nachteile und Grenzen von Free Bleeding auf einen Blick:

  • Situationen, in denen Du nicht jederzeit eine Toilette benutzen kannst, sind eher ungünstig
  • Im stressigen Berufsalltag hast Du vielleicht nicht genügend Aufmerksamkeit für die Vorgänge in Deinem Körper.
  • In der Sauna, beim Schwimmen und beim Sport ist es wahrscheinlich auch recht schwierig, den richtigen Moment abzupassen.
  • Du wirst ungefähr drei Übungs-Menstruationen brauchen, bis Du besser einschätzen kannst, wann der nächste Blutschwall kommt.

 

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