Black Girl Magic! Im Februar wird schwarze Geschichte gefeiert! 

Black History Month in den USA

Der Black History Month, der alljährlich im Februar stattfindet, hat seine Ursprünge in den U.S.A. der 1920er Jahre. In diesem Monat wird die afroamerikanische Geschichte zelebriert und an bedeutende schwarze Menschen, die die U.S.-amerikanische Geschichte geprägt haben, erinnert. 

Die Feierlichkeiten entstanden aus dem Missstand heraus, dass in ihrer Gründungszeit schwarze Menschen und ihre Traditionen in den Geschichtsbüchern kaum Beachtung fanden, obwohl sie einen großen Teil der Bevölkerung ausmachten und die Geschichte der USA intensiv geprägt haben. Wenn Afroamerikaner in Geschichts- und Lehrbüchern überhaupt repräsentiert wurden, so beschränkte sich ihre Darstellung auf stereotype und abwertende Beispiele. Auch heute ist die Repräsentation von schwarzen Menschen in der Medienlandschaft der USA noch lange nicht frei von Stereotypen und Klischees. Der Black History Month kämpft dagegen an.

Black History Month in Deutschland

In Deutschland wird der Black History Month seit den 1990er Jahren gefeiert und stellt afrodeutsche Menschen und ihre Errungenschaften in den Mittelpunkt. Da die deutsche Kolonialgeschichte und ihre verheerenden Auswirkungen auf dem afrikanischen Kontinent ebenfalls kaum Beachtung in den deutschen Geschichtsbüchern findet, dient der Black History Month auch in Deutschland dazu, die Öffentlichkeit für afrodeutsche Geschichte zugänglich zu machen. Außerdem bieten die Feierlichtkeiten Afrodeutschen selbst Anhaltspunkte zur Identifizierung mit der eigenen Geschichte.

Katharina Oguntoye - Afrodeutsche Historikerin und Aktivistin

Katharina Oguntoye wurde 1959 als Tochter einer Deutschen und eines Nigerianers in Zwickau geboren. Sie wuchs erst in Leipzig und anschließend in Nigeria auf, wo die afrikanische Kultur fester Bestandteil ihres Lebens war. Aufgrund des Biafra-Krieges zog sie mit ihrer Mutter zurück nach Deutschland und studierte anschließend in Heidelberg. Als Afrodeutsche ist sie rassistischen Erfahrungen im Alltag ausgesetzt und bemerkt, dass Teile ihrer Identität in Deutschland schlichtweg nicht existent sind.

Bereits im Jahr 1989 veröffentlichte Oguntoye mit anderen afrodeutschen Kolleginnen das Buch "Farbe Bekennen", in dem sie über alltäglichen Rassismus, der ihnen widerfährt, berichten. In dem  Buch wurden derartige Erfahrungen von afrodeutschen Frauen erstmals beschrieben.

„Diese Fragen: Warum sprichst du so gut Deutsch? Oder: Möchtest du nicht mal in die Heimat deines Vaters? Das ist immer eine Markierung: Du bist nicht so wie ich.“

- "Farbe Bekennen"

Oguntoye ist Gründungsmitglied der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland Bund e.V. und Leiterin des Berliner Vereins Joliba, der mit sozialen und kulturellen Angeboten das interkulturelle Zusammenleben und das gegenseitige Verständnis von Menschen fördert. Joliba bietet einen offenen Raum für Austausch und arbeitet gegen Alltagsrassismus. Auch 30 Jahre nach Veröffentlichung von "Farbe Bekennen" denkt Oguntoye, dass die Situation von Afrodeutschen sich immer noch nicht gebessert hat und Rassismus auch heute immer noch alltäglich ist.

Die Geschehnisse und rassistischen Übergriffe und Morde im Frühjahr 2020 machen mehr als deutlich, dass Rassismus weiterhin ein enormes Problem in Deutschland ist. Farbe zu bekennen ist nun wichtiger denn je und wir müssen alle gegen Rassismus und Hass arbeiten! Was häufig fälschlicherweise als "Fremdenhass" bezeichnet wird, richtet sich gegen Menschen, die genauso Teil der Gesellschaft sind, wie weiße Menschen.

Der Black History Month im Februar soll auf schwarze Geschichte weltweit aufmerksam machen und das finden wir sehr unterstützenswert. Doch wir denken auch ganz deutlich, dass es ganz bestimmt nicht reicht, nur einen einzigen - und dazu auch noch kurzen - Monat im Jahr über Rassismus und Ungerechtigkeit nachzudenken! Rassismus ist leider immer noch allgegenwärtig und wir sind alle dafür verantwortlich, etwas dagegen zu unternehmen!

Rassismus darf weder für die scherzhafte Beleidigung, noch für den Schenkelklopfer am Stammtisch dienen! Wir müssen den Menschen, die sich davon angegriffen fühlen, zuhören und umdenken, statt mit einem "das war doch schon immer so" zu reagieren. Gerade weil manche Dinge, die anderen Menschen schaden, fester Bestandteil des Alltags sind, wird es allerhöchste Zeit, umzudenken und dagegen anzuwirken - gerade, wenn man selbst nicht betroffen ist. Privilegien sind kein Grund, sich nicht mit etwas zu beschäftigen - ganz im Gegenteil!