Lea redet darüber welchen Einfluss der Zyklus auf Diabetes Typ 1 hat!
Foto: Lea von @insulea.de

In der KORA MIKINO SUMMER SCHOOL haben wir alle Infos zum Thema Zyklus und Körper gesammelt, damit ihr genau wisst, was da eigentlich passiert! Wir sprechen über Fakten, Hormone, Wissenswertes und Krankheiten und haben für euch mehrere Expertinnen zu unterschiedlichen Themen befragt. Ein Thema, das selbst viele Ärzt*innen häufig nicht ansprechen, sind die Auswirkungen des Zyklus auf Diabetes Typ 1. Wir haben die liebe Lea von @insulea.de gefragt, wie ihre Erfahrungen mit der chronischen Krankheit sind und was sie Euch raten würde, wenn ihr die Diagnose Diabetes Typ 1 habt. Hier gibt’s das ganze Interview!

 

Liebe Lea, Du schreibst in deinem Blog insulea offen und persönlich über deinen Alltag mit Diabetes Typ 1. Kannst Du uns erzählen, wie es zu der Erkrankung kommt und was da genau im Körper passiert?


Diabetes Typ 1 ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem Antikörper produziert, welche die körpereigenen Insulinzellen der Bauchspeicheldrüse zerstören. Warum das passiert, lässt sich leider noch nicht genau sagen. Klar ist aber, dass die Insulinzellen nicht nachwachsen können, die Erkrankung ist also chronisch.

Das Insulin hilft normalerweise dabei, den Zucker aufgenommener Nahrung aus dem Blut in die Zellen zu transportieren, wo dieser dann zu Energie umgewandelt wird. Durch die gestoppte Insulinproduktion kann der Zucker aus dem Blut nicht weiter zu Energie umgewandelt werden. Menschen mit Diabetes Typ 1 führen sich mit einem sogenannten Insulin-Pen oder einer Insulinpumpe selbstständig Insulin zu, um nicht zu überzuckern. 

Ziel ist es, weder zu über- noch zu unterzuckern, also die Blutzuckerwerte in einem bestimmten Zielbereich zu halten.

Das ist aber gar nicht so einfach, denn nicht nur Kohlenhydrate beeinflussen den Blutzucker, auch sportliche Aktivität, Stress oder andere Umwelteinflüsse können den Blutzucker erhöhen oder senken, so zum Beispiel auch Zyklushormone. 

Daher müssen Menschen mit Diabetes mehrmals am Tag ihre Blutzuckerwerte messen, Kohlenhydrate von Mahlzeiten herausfinden und mit ihren jeweiligen Insulin-Faktoren die Menge an Insulin berechnen, die für eine Mahlzeit gespritzt werden muss. Dabei müssen auch die Blutzuckerwerte, sportliche Aktivitäten und andere Umwelteinflüsse in die Therapieentscheidung mit eingerechnet werden. In einer Studie kam heraus, dass Menschen mit Typ 1 bis zu 180 zusätzliche Entscheidungen pro Tag treffen müssen!

 

Diabetes Typ 1: Wie wirkt sich der Zyklus auf den Blutzuckerspiegel aus?

Foto: Canva

 

Wie hast Du von deiner Erkrankung erfahren und wie bist Du mit der Diagnose umgegangen?

 

Ich habe 2011 während eines Auslandsjahres in den USA die Diagnose bekommen. Leider wurde ich davor 2 Monate nicht bzw. falsch behandelt und entwickelte dadurch eine Angststörung und Depressionen. Ich musste mein Auslandsjahr abbrechen und kam in Deutschland sofort ins Krankenhaus, etwas später verbrachte ich auch 3 Monate in einer psychosomatischen Klinik. Nach einigen harten Jahren geht es mir heute wieder gut und ich habe durch meinen Diabetes bereits viele tolle Menschen kennengelernt und Erlebnisse gehabt. Heute kann ich mit meiner Advocacy und Aufklärungsarbeit durch meinen Blog und Instagram, aber auch durch meine Arbeit als Jugendbotschafterin für Diabetes anderen Menschen Mut machen - ich könnte mir nichts Schöneres vorstellen. Ich bin wirklich stolz auf mich, so weit gekommen zu sein und möchte nun durch meine Arbeit anderen Menschen mit chronischen und/oder psychischen Erkrankungen eine Stimme geben.

 

Wie äußert sich Diabetes Typ 1 und worauf musst Du in deinem Alltag achten?

Es ist ein zusätzlicher Aufwand für den Rest meines Lebens, welcher jeden Tag anders groß oder klein ausfällt.

Viele der Entscheidungen, die ich täglich für meine Diabetestherapie treffen muss, passieren fast schon automatisch und fallen mir nur auf, wenn ich darüber nachdenke. Ich bin es gewohnt.

Ich bin es gewohnt, jeden Morgen als Erstes meinen Blutzuckerwert zu checken und zu überlegen, was ich zum Frühstück essen möchte und wann ich dann am Besten mein Insulin spritzen sollte. Ich muss überlegen, was ich in den nächsten Stunden vorhabe und wie diese Dinge meine Blutzuckerwerte beeinflussen können. Ich muss daran denken, ob ich den Tag davor Sport getrieben oder meine Periode habe; je nachdem ist meine Insulinsensitivität unterschiedlich hoch und dementsprechend benötige ich weniger oder eventuell mehr Insulin. Ich muss daran denken, Traubenzucker oder Saft und kleine Snacks für eventuelle Unterzuckerungen sowie eine Ersatzpumpe und Insulin für den Tag einzupacken. Bei jeder Mahlzeit muss ich daran denken, die Kohlenhydrate zu berechnen und dementsprechend Insulin abzugeben. Auch zwischenzeitlich muss ich meine Blutzuckerwerte an meine Aktivitäten anpassen. Außerdem benötige ich kontinuierlich kleine Mengen an Insulin; dieser Grundbedarf wird Basalrate genannt. Auch die Basalrate muss laufend neu angepasst werden. Dann muss ich meine Pumpe oder meinen Sensor wechseln. Auch hier muss ich bestimmte Dinge beachten, zum Beispiel, wo ich die Pumpe setze, damit das Insulin bestmöglich absorbiert wird. Wenn ich mein sogenanntes Diabetes-Management vernachlässigen würde, würden mich die Folgen direkt treffen. Bei hohen Blutzuckerwerten werde ich zum Beispiel leicht reizbar und kann mich nicht konzentrieren oder ich werde sehr müde und habe Kopfschmerzen. Eine Einstellung außerhalb meiner Zielwerte raubt mir also wertvolle Energie. Aber das ist auch das Ding: Eine chronische Erkrankung ist ein 24/7 Job ohne Ferien. Es wird immer Situationen und Momente in meinem Leben geben, in denen mich Diabetes belastet und einschränkt und manchmal auch frustriert oder überfordert. Das zu akzeptieren ist nicht immer leicht. Ja, ich kann damit gut leben, aber trotzdem ist dieses Leben nicht immer einfach.

 

Blutzuckerspiegel messen: So wirkt sich die Periode auf Diabetes Typ 1 aus

Foto: Canva

 

Wirkt sich Diabetes Typ 1 auch auf den Zyklus aus? Muss da etwas Bestimmtes beachtet werden? 

Die meisten unerklärlichen Blutzuckerwerte kann ich tatsächlich auf meinen Zyklus zurückführen. Hormonelle Schwankungen beeinflussen das Hormon Insulin und damit auch meine Diabetes-Therapie. Mittlerweile weiß ich genau, wie meine Werte und meine Insulinsensitivität in den unterschiedlichen Zyklusphasen beeinflusst werden. Während meiner Menstruation sind meine Blutzuckerwerte oft niedrig, was u.a. mit dem Abfall des Progesteronspiegels zu tun hat. Nach meiner Menstruation bis zu meinem Eisprung genieße ich eine Phase mit ruhigen Blutzuckerverläufen im Zielbereich, da die Zellen durch das steigende Östrogen besonders empfindlich auf Insulin reagieren. Meine Insulinsensitivität ist in dieser Phase also besonders hoch. Kurz nach dem Eisprung fällt das Östrogen etwas ab und das Progesteron steigt stark an. Das merke ich sofort daran, dass meine Blutzuckerwerte stark ansteigen, ohne dass ich einen Therapiefehler gemacht habe. Dann ist es wichtig, meine Insulinfaktoren an die geringere Insulinempfindlichkeit anzupassen. Da ich eine Insulinpumpe trage, kann ich ganz einfach meine Insulinempfindlichkeit und Basalrate (Grundbedarf an Insulin) anpassen. Für die Zeit zwischen Eisprung und Menstruation habe ich eine Basalrate gespeichert, die bei Aktivierung 30% mehr Insulin abgibt. Für die Tage während meiner Menstruation kann ich die Basalrate 20% niedriger einstellen. Das klingt vielleicht auf den ersten Blick etwas anstrengend, aber ich finde es auch total spannend, anhand meiner Blutzuckerwerte die Vorgänge in meinem Körper bewerten zu können. Ich konnte dadurch schon viel lernen und bin auch nochmal sensibler geworden. 

 

Gibt es etwas, was Du unseren Leser*innen und anderen Menschen mit einer Diabetes Typ 1-Diagnose mit auf den Weg geben möchtest?

Ich empfehle anderen menstruierenden Menschen mit Diabetes, für einige Zyklen ganz genau auf ihren Körper zu hören — was passiert gerade und wie kann ich diese Erkenntnisse für meine Therapie nutzen? Leider sprechen viele Ärzt*innen Themen wie den Zyklus kaum an, obwohl dieser einen sehr großen Einfluss auf menstruierende Menschen nimmt! Dazu gehört auch, dass Menschen mit Diabetes anfälliger sind für das polyzystische Ovar-Syndrom, kurz PCOS. Davon habe ich nach fast 10 Jahren mit Diabetes erst letztes Jahr zum ersten Mal gehört und tatsächlich werde ich mich darauf testen lassen, da einige Symptome bei mir zutreffen. 

Außerdem möchte ich noch kurz erwähnen, dass die Pille als Verhütungsmittel zu Problemen in der Diabetes-Therapie führen kann. Aus eigenen Erfahrungen und Austausch mit Anderen kann ich sagen, dass die Pille bei mir eine leichte Insulinresistenz hervorgerufen hat und ich meine Insulinfaktoren nach dem Absetzen drastisch verringern konnte. 

Ansonsten möchte ich mich gern bei dem Team von KORA MIKINO dafür bedanken, dass ihr uns Menschen mit Diabetes eine Plattform gibt! Es gibt so viele Tabuthemen, über die in der Diabetestherapie kaum geredet wird, dabei ist das so wichtig! Weiterhin danke für eure tollen Panties, die mein Leben während der Menstruation viel einfacher machen! 

Ich freue mich auf jeden Fall auch über Mails oder Nachrichten auf meinen Social Media Kanälen, falls ihr Fragen oder Austauschbedarf habt. 

Vielen Dank liebe Lea für das informative Interview und deine Offenheit! Wir haben sehr viel gelernt.

 

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