Vagina? Vulva? Vulvina? Das weibliche Geschlechtsorgan erklärt.

Vagina...ähm...Vulva...ähm...Vulvina? 

Hand aufs Herz – wer hat da nicht schon mal ein Minütchen inne gehalten?

Dabei gibt es doch etliche Kosenamen für das weibliche Geschlechtsorgan: Vaginchen, Vulva, Möse, Muschi, Liebeslippen, Pfläumchen, Feuchtgebiet, Himmelsreich, Scheide, Mumu – an Fantasie und Vielfalt mangelt es bei dem Versuch das weibliche Geschlechtsorgan zu beschreiben nicht. Einige davon werden halt nur bedauerlicherweise weder korrekt im Kontext angewandt noch sind sie wertfrei – die im Biologieunterricht (vielleicht) eingeschlossen.

 

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Ein erstes ins Wanken geraten folgt bereits, wenn es darum geht, das weibliche Geschlechtsorgan als Ganzes zu benennen. Oft wird dazu das Wort Scheide oder auch Vagina gebraucht – was lediglich das lateinische Äquivalent dazu ist. Falsch ist beides, da es ausschließlich den vaginalen Eingang beschreibt. Der, lapidar gesprochen, sichtbare Teil, also die inneren und äußeren Vulva-Lippen, oder, wie im Biologiebuch, gerne auch als Schamlippen betitelt, Klitorisvorhaut, Klitoriseichel, Venushügel und Damm – das ist die Vulva.

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Die Vagina benennt nur die Körperöffnung, die den äußeren und inneren Teil sozusagen miteinander verbindet. Dann gibt es noch die inneren, nicht augenscheinlichen Teile: Gebärmutterhals, Gebärmutter und Eierstöcke.
Ein Sammelbegriff, der die weiblichen Genitale als ganzes begreift, glänzt in unserem kulturellen Kontext eher mit Abwesenheit. In Indien, Nepal und hinduistisch geprägten Gebieten in Südostasien beschreibt ‘Yoni’, ein tantrischer Begriff, das weibliche Genital ganzheitlich (Vagina, Vulva, Uterus). Aus Sanskrit übersetzt bedeutet 'Yoni' in etwa 'Ursprung' oder 'Quelle'.  

Die weiblichen Genitalien ‘Vulvina’, also eine Mischung aus Vulva und Vagina, zu nennen, ist der Vorschlag von Aktivistin Ella Berlin. Damit möchte sie den Menschen gerne ein von Selbstbestimmtheit angeführtes Körpergefühl eröffnen. Denn das so häufig (falsch) verwendete Wort Scheide oder auch Vagina bezieht sich im eigentlich Wortsinn auf die Schwerttasche des Mannes. Was man hieran erknnen kann, ist das immer noch äußerst schwierige Weltbild, das das Wort Vagina vermittelt. Denn die weiblichen Genitale werden hier nur hinsichtlich der Funktion, die es für einen anderen Menschen - genauer genommen, männlichen Menschen - haben, definiert. Das klingt alles andere als romantisch, besonders im Vergleich zu dem Wort Yoni, was vor allem für sich selbst steht, für sich selbst vollständig ist und somit auch selbstbestimmt.

 

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Ob es prinzipiell sinnvoll ist, Menschen anhand von körperlichen Merkmalen wie Genitalien als männlich oder weiblich einzuordnen, ist sicherlich streitbar und eine Frage, die wir uns weiterhin, auch nach der Einführung des dritten Geschlechts, noch stellen sollten.

Quellen und weiterer Lesestoff:

 

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