Plötzlich flau im Bauch? Wenn dich kurz vor den Tagen ein mulmiges Gefühl überkommt, bist du nicht allein. Wir gehen der PMS-Übelkeit auf den Grund, erklären die biologischen Zusammenhänge und zeigen dir, wie du deinen Magen nachhaltig beruhigst.
Du bist gerade mitten im Alltag, versuchst deine To-Do-Liste abzuarbeiten und dann trifft es dich: dieses typische flau-mulmige Gefühl. Ein kurzer Blick in die Zyklus-App bestätigt: Es ist wieder die Lutealphase. Viele Frauen* leiden unter Übelkeit vor der Periode. Oft fühlt es sich an, als wolle der Körper sicherstellen, dass du die kommende Menstruation auf keinen Fall ignorierst als wären Stimmungsschwankungen und Krämpfe nicht schon genug.
Warum ist mir vor der Periode so schlecht? Die Ursachen im Detail
Die Ursachen für prämenstruelle Übelkeit sind komplexer als ein einfaches Hormon-Ungleichgewicht. Es ist ein Zusammenspiel aus Botenstoffen, dem Nervensystem und deiner Verdauung.

1. Das Zusammenspiel von Prostaglandinen
Kurz vor der Blutung produziert die Gebärmutterschleimhaut Prostaglandine. Diese Botenstoffe bewirken, dass sich die Gebärmuttermuskulatur zusammenzieht, um die Schleimhaut abzustoßen. Das Problem: Prostaglandine bleiben oft nicht lokal. Wenn sie in den Blutkreislauf gelangen, erreichen sie auch den Magen-Darm-Trakt. Dort lösen sie ähnliche Kontraktionen aus, was zu Übelkeit, flauem Magen und sogar Perioden-Durchfall führen kann.
2. Der Abfall von Östrogen und Progesteron
In der zweiten Zyklushälfte steigt Progesteron an, um die Gebärmutter auf eine Schwangerschaft vorzubereiten. Bleibt diese aus, fällt der Spiegel rapide ab. Dieser Entzug wirkt direkt auf das Brechzentrum im Gehirn. Zudem verlangsamt Progesteron die sogenannte Magenentleerungsrate. Nahrung verbleibt länger im Magen, was Gärprozesse begünstigt und das Übelkeitsgefühl verstärkt.
3. Die Rolle von Serotonin
Wusstest du, dass ein Großteil deines Glückshormons Serotonin im Darm produziert wird? Sinkt der Östrogenspiegel, sinkt oft auch der Serotoninspiegel. Da Serotonin maßgeblich an der Steuerung der Verdauung beteiligt ist, kann dieser Mangel zu den typischen PMS-Magenbeschwerden führen.
Übelkeit vor der Periode: Stress & weitere Auslöser
Hormone legen das Fundament, aber dein Lebensstil entscheidet oft über die Intensität der Symptome.
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Stress und der Vagusnerv: Der Vagusnerv verbindet Gehirn und Darm (die sogenannte Darm-Hirn-Achse). Bei Stress ist dieser Nerv überreizt, was PMS-Symptome wie Übelkeit massiv verstärken kann.
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Blutzuckerschwankungen: Viele Frauen haben vor der Periode Heißhunger auf Süßes. Der darauffolgende Insulin-Crash kann Schwindel und Übelkeit auslösen.
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Magnesiummangel: Ein niedriger Magnesiumspiegel verstärkt Muskelkrämpfe , auch die des Magens.
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Hormonelle Verhütung: Wer die Pille nimmt oder gerade das Präparat gewechselt hat, kann unter "Anpassungs-Übelkeit" leiden, da der Körper auf die synthetischen Hormone reagiert.
Ist Übelkeit vor der Periode eigentlich normal?
Kurz gesagt: Ja, es ist ein anerkanntes Symptom. Studien deuten darauf hin, dass etwa 20 bis 50 % aller Menstruierenden in den 7 bis 10 Tagen vor der Periode unter Übelkeit leiden.
Solange die Übelkeit mild bleibt und mit dem Einsetzen der Periode verschwindet, ist sie meist harmlos. Dennoch solltest du auf deinen Körper hören. Wenn die Übelkeit so stark ist, dass du deinen Alltag nicht mehr bewältigen kannst, könnte eine PMDS (Prämenstruelle Dysphorische Störung) vorliegen. Hier sind die Symptome (auch die psychischen) so intensiv, dass eine therapeutische oder medizinische Begleitung ratsam ist.
Übelkeit vor der Periode oder doch Schwangerschaftsanzeichen?
Da die Symptome sich überschneiden, entsteht oft Unsicherheit. Hier ist ein Vergleich zur Orientierung:
| Merkmal | PMS-Übelkeit | Schwangerschaftsübelkeit |
| Zeitpunkt | Meist 3–7 Tage vor der Periode | Oft erst ab der 6. Woche (nach Ausbleiben) |
| Dauer | Endet meist mit Beginn der Blutung | Hält oft den ganzen Tag über Wochen an |
| Geruchssinn | Leicht erhöht | Extrem sensibel (oft mit Erbrechen) |
| Brustschmerzen | Ziehen/Spannen (zyklisch) | Oft sehr empfindliche, dunklere Brustwarzen |
Was kann man gegen Übelkeit vor der Periode machen?

Hier kommen praktische Tipps, um die Übelkeit besser in den Griff zu bekommen:
1. Ernährung als Medizin
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Ingwer-Power: Die Scharfstoffe im Ingwer (Gingerole) blockieren die Rezeptoren im Magen, die für Übelkeit zuständig sind. Trink über den Tag verteilt frischen Ingwertee.
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Viel Vitamin B6: Es hilft der Leber, überschüssiges Östrogen abzubauen. Enthalten in Bananen, Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten.
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Kleine Portionen: Vermeide große, schwere Mahlzeiten. 5-6 kleine Snacks halten den Blutzucker stabil.
2. Sanfte Entspannung & Kleidung
Stressreduktion ist der Schlüssel. Atemübungen oder Meditation beruhigen den Vagusnerv. Auch die Wahl der Kleidung spielt eine Rolle: Wenn der Bauch aufgebläht ist und die Übelkeit drückt, ist enge Kleidung eine Qual. Viele Frauen greifen in dieser Zeit zu bequemer Periodenunterwäsche. Diese bietet nicht nur Sicherheit, wenn die Tage überraschend kommen, sondern verzichtet oft auf einschneidende Gummibünde, was den Druck auf den Magen-Darm-Bereich minimiert und das Wohlbefinden steigert.
3. Natürliche Helfer
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Mönchspfeffer (Vitex Agnus-Castus): Kann bei langfristiger Einnahme helfen, das hormonelle Gleichgewicht zwischen Östrogen und Progesteron wiederherzustellen.
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Kamille und Fenchel: Diese Tees entspannen die glatte Muskulatur im Bauchraum.
Fazit: Du musst dich nicht mit PMS-Übelkeit abfinden
Auch wenn Übelkeit vor der Periode definitiv nicht angenehm ist – du bist nicht allein. Und: Du kannst etwas tun. Beobachte deinen Zyklus, achte auf deinen Körper und finde heraus, was dir hilft. Und zögere nicht deine Frauenärztin zu konsultieren, du musst starke Übelkeit nicht aushalten bzw. ertragen.