Endometriose zählt wohl zu zu einem der wichtigsten Begriffe der letzten Jahre, wenn es um die Themen Menstruation und Gesundheit geht. Der Ausdruck fällt an allen möglichen Stellen immer mal wieder, doch niemand scheint ihn so wirklich definieren zu können.

Wir müssen über Endometriose sprechen! Der Begriff ist bekannt, doch was ist das eigentlich? #teamkora klärt Euch über die schmerzhafte Krankheit auf!

Endo-was??? Wir haben Euch gefragt, was Ihr über Endometriose wisst

Vor allem in den sozialen Medien und durch Menschen wie Anna Wilken oder Lena Dunham, die offen über ihre Krankheit sprechen, hat den Begriff "Endometriose" mittlerweile wahrscheinlich jede_r schon mal gehört. Trotzdem zeigt unsere Instagram-Umfrage*, dass ¼ der Teilnehmer_innen nicht wissen, was Endometriose überhaupt ist.

Von denjenigen, denen Endometriose bekannt ist, haben 42% angegeben, dass sie selbst Endometriose haben oder jemanden kennen, der Endometriose hat.
42% - das ist eine ganze Menge! Vor allem wenn man bedenkt, dass ¼ gar nicht weiß, was es überhaupt ist.

"Ich bin eine von zehn" steht auf dem Buchdeckel von Anna Wilkens Buch "In der Regel bin ich stark". Eine von zehn Personen erkrankt an Endometriose. Jedoch sind viel zu wenig Leute wirklich über die Krankheit aufgeklärt - selbst viele Ärzte wissen nicht ausreichend oder gar nicht darüber Bescheid!** Häufig werden starke Unterleibsschmerzen als Begleiterscheinung der Menstruation verstanden und deswegen nicht weiter hinterfragt.

 


Anna Wilken im Interview mit auf klo

Aber was ist Endometriose eigentlich genau?

Endometriose sind Verwachsungen von gebärmutterschleimartigem Gewebe. Es kann sich an den Eierstöcken, dem Eileiter, dem Darm, der Blase und anderen Organen im Beckenbereich festsetzen und starke Schmerzen hervorrufen. Besonders häufig treten die Schmerzen während oder vor der Periode auf. Sie können aber auch zyklusunabhängig sein und während des Geschlechtsverkehrs oder beim Eisprung auftreten.

Auch die Reaktionen auf unsere Frage nach Erfahrungen mit Endometriose aus unserer Community sind vielfältig. Viele von Euch haben angegeben, dass es bei ihnen selbst oder Mitmenschen sehr lange (von 1,5 bis 4 Jahren) bis zur Diagnose gedauert hat. Der Weg dorthin war schwer, da die Symptome oft nicht eindeutig sind. Außerdem wird ebenfalls über höllische Schmerzen während der Periode, beim Sex oder Sport berichtet.

 

Die Diagnose war schon eine enorme Erleichterung!

- Anna Wilken

 Zu den geläufigen Symptomen von Endometriose zählen:

  • starke Regelschmerzen
  • Unterleibsschmerzen auch außerhalb der Regel
  • Übelkeit
  • Schmerzen beim Sex
  • Schmerzen beim Stuhlgang oder andere Darmsymptome/Magenbeschwerden
  • besonders lange oder besonders starke Menstruation
  • Kopfschmerzen
  • Schwindelgefühl
  • Müdigkeit und Erschöpfung
  • häufige Infekte
  • psychische Belastung

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Was sind mögliche Folgen von Endometriose?

Die wohl bekannteste Folge von Endometriose ist ein erhöhtes Risiko, unfruchtbar zu sein. Viele Menschen, die unter Endometriose leiden, können aufgrund der Krankheit nicht schwanger werden. Der genaue Zusammenhang zwischen Endometriose und unerfülltem Kinderwunsch ist bisher noch nicht vollständig erforscht, vermutlich verhindern die Verwachsungen eine Einnistung der Eizelle.

Obwohl es sich bei Endometriose um gutartige Wucherungen handelt, kann sie in seltenen Fällen trotzdem ein erhöhtes Krebsrisiko darstellen. In sehr seltenen Fällen kann auf dem Boden der Endometriose ein bösartiger Tumor entstehen.

Endometriose erkennen

Starke Unterleibsschmerzen bedeuten nicht gleich Endometriose. Schmerzen beim Sex bedeuten nicht gleich Endometriose. Kopf- und oder Rückenschmerzen in Kombination mit PMS (Prämenstruelles Syndrom) sind auch kein eindeutiges Zeichen dafür.

Eins steht fest: die Symptome von Endometriose sind komplex und leider nicht leicht zu erkennen. Genauso unerforscht ist leider noch immer die Ursache der Krankheit. Es gibt verschiedene Theorien, von denen allerdings noch keine das gesamte Krankheitsbild erklären kann. Zur Erkennung von Endometriose muss eine Bauchspiegelung (OP mit Narkose) vorgenommen werden. Das entnommene Gewebe wird anschließend eingeschickt und untersucht. Handelt es sich tatsächlich um Endometriose, muss das Gewebe ebenfalls per OP entfernt werden.

 Anna Wilken Endometriose

© Arya Shirazi

Diagnose Endometriose - und jetzt?

Leider kann Endometriose (noch) nicht vollständig geheilt werden. Auch nach erfolgreicher Entfernung besteht die Möglichkeit, dass sich das Gewebe erneut ansammelt und Schmerzen verursacht. Vor allem in Deutschland ist die Krankheit noch lange nicht ausreichend erforscht.

Trotzdem war die OP die beste Entscheidung ihres Lebens, sagt Anna Wilken. Und nicht nur die Linderung der Schmerzen durch die OP sind für sie ein Grund, an die Öffentlichkeit zu gehen. Sie möchte sich auch für nichts mehr schämen, erst recht nicht für ihren eigenen Körper. In ihrem Buch und auf ihrem Instagram-Account fordert sie Menschen dazu auf, laut zu werden und Endometriose den Kampf anzusagen.

"Girls"-Erfinderin und Darstellerin Lena Dunham litt so sehr unter ihrer Endometriose, dass sie sich erst ihre Gebärmutter und anschließend auch ihren linken Eierstock entfernen ließ. In einem Interview mit der Cosmopolitan sagte Dunham:

Pain does not inherently make you feel sexy; pain doesn't make you feel beautiful, but in another way it's forced me to really take ownership of my body and express my needs.

"In der Regel bin ich stark"

© Arya Shirazi

 

Literatur, Podcasts oder sonstige Empfehlungen zum Thema Endometriose aus unserer Community: 


*Umfrage von Oktober 2019 via Instagram

**Anmerkung von Autorin Pia: Ja! Ich habe wirklich Ärzt_innen erlebt, die den Begriff noch nie gehört hatten!

26 Kommentare

  • — Selina

    Beim Menstruality-Podcast vor ungefähr einem Jahr, aber leider läuft einem das Thema noch nicht besonders oft über den Weg…

  • — Susann

    2015 habe ich das erste mal davon gelesen. Zu dem Zeitpunkt hab ich nach Lösungen gegoogelt, weil ich selbst an großen Schmerzen litt. Erst 2018 habe ich eine Ärztin gefunden, die meine Bedenken ernst genommen hat und mich nach Jena ins endometriose Zentrum überwiesen hat. Der Weg war steinig, aber immerhin weiß ich nun das ich Endometriose habe und versuche seitdem damit umzugehen.

  • — Ida Schmitt

    Meine Mutter hat schon davon gehört, aberr wusste auch nicht genau ob ich das haben könnte. Ich habe mich bis jetzt nicht testen lassen, da auch viel meiner gleichaltrigen Freunde die gleichen Probleme haben. Danke für die Aufklärung.

  • — Claudia

    Als ich vor ein paar Wochen auf ein Video von Anna Wilken gestoßen und damit auf Endometriose aufmerksam geworden bin. Da ich alle Anzeichen dafür habe, habe ich daraufhin weiter recherchiert und werde auch versuchen, es abklären zu lassen. Danke, dass ihr auf Endometriose aufmerksam macht! Ich bin so froh darüber, dass dieses Thema öffentlich gemacht wird.

  • — Isa Kreinhacke

    Tatsächlich jetzt erst.
    Mir mag man’s vielleicht verzeihen, aber einem Arzt..
    Ich bin wirklich froh in einer Zeit zu Leben, in der sich so unglaublich viele Menschen liebevoll und charmant um Aufklärung bemühen!
    Da gilt der Dank natürlich auch euch ;)

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